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Zur Heinrichsglocke sei ein Auszug von 1963 aus dem Manuskript «Münster zu Basel, Turmglocken» wiedergegeben. Verfasser war Paul Vischer, der damalige Präsident der Münsterbaukommission: «Die Heinrichsglocke soll der Kirche von Kaiser Heinrich II. geschenkt worden sein. Darüber wird berichtet: Die Glocke hiess ehemals auch von ihrem Gebrauch die Mus-Glocke, weil man sie um 10 Uhr des Morgens läutete, um dadurch den Haus-Armen ein Zeichen zu geben, ihr Mus (gekochter Brey) in dem Almosenhaus abzuholen. Obschon dieser Gebrauch schon lange abgegangen, wird doch diese Glocke um 10 Uhr noch fortgeläutet und heisst daher jetzt die Zehn- Glocke. Diese Glocke wurde im Jahre 1494 wieder erneuert, bekam an Gewicht 52 Centner und wurde Theodulus genannt, mit folgender Inschrift: ‚Ecclesiam hanc Caesar, Reparas Heinrice, ruentem: Hec tibi uxeri me dat, vocor atque Theodulue. 1494.’ Im Jahre 1565 war diese Glocke schon wieder bresthaft, man liess sie daher vom Turm herunter und zerschlug sie auf dem Münsterplatz mit eisernen Hämmern. M. Frantzen von Bern und Marxen Spörlin gossen sie den 15. September zwischen dem Riehener Tor, neben der Ziegelhütte um. Sie hielt 58 Centner und 80 Pfund an Gewicht. Heinrich Pantaleon verfertigte ihr zu der ersteren, folgende Umschrift, die beide heute noch übereinander angeordnet vorhanden sind: ‚Campana reparant procere collegi et urbis, ut resonet juxta moenia magna sua. 1565’ Der Glockenexperte Ernst Schiess, Bern, teilte am 11. August 1962 über den Guss dieser Glocke folgendes mit: «Der Giesser Franz von Bern, welcher mit Marx Spörlin 1565 die Heinrichsglocke gegossen hat, war ein grosser Meister in seinem Fach. «Er hiess Franz Sermund, kam aus dem Veltlin und hat im Jahre 1585 die Mittagsglocke für das Berner Münster gegossen.» In «Glogge und Gleggli im Alte Basel» (Buchverlag der Basler Zeitung, 1999) hält Markus Fürstenberger folgendes fest: «Heinrichs-Glocke, Geschenk von Kaiser Heinrich II., frühes 11.Jh., früher auch Mues-Glocke genannt: Um 10 Uhr morgens gab sie den Haus-Armen ein Zeichen, ihr Mues (gekochter Brei), ihr Brot und ihre Suppe im Almosenhaus abzuholen. Heinrichsglocke: Königin Kunigunde. Wie die übrigen Figurenreliefs wohl abgeformt von der Vorgängerglocke von 1445.


Heinrichsglocke: Kaiser Heinrich II.

Nach dem Verzicht auf den Mues-Brauch läutet die Glocke weiter um 10 Uhr und heisst Zehn- Glocke. 1494 neuer Guss, Theodulus-Glocke, 5‘200 kg ‚Ecclesiam hanc (L)?aesar, Reparas Henrice ruentem: (It)?ec tibi uxori me dat, vocor atque Theodulus 1494.1565 Abzug und auf dem Münsterplatz zerschlagen mit eisernen Hämmern. 15. September 1565 Neuguss beim Riehentor neben der Ziegelhütte durch M. Franz von Bern und Marx Spörlin, 5‘800 kg 80 Pfund.» An dieser Stelle sei vermerkt, dass das angegebene Gewicht von 58 Doppelzentnern ausgeht. Auf Grund des Verhältnisses Kaliber/ Tonhöhe kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass 58 einfache Zentner gemeint sind. Somit wiegt die Glocke «lediglich» 2‘940 kg. Die heutige Heinrichsglocke wurde also im Jahre 1565 von Grund auf neu gegossen. Einzig die an den Flanken prangenden gotischen Figuren scheinen von der Vorgängerglocke übernommen worden zu sein. Die merkwürdigen Umrisse um diese Darstellungen rühren wohl vom Abdruckverfahren her. Die ernste, getragene Stimme dieser Glocke unterscheidet sich von den Klangfarben der Keller- Glocken und trägt somit nicht nur Wesentliches zur historischen Bedeutung des Geläutes, sondern auch zu dessen musikalischem Ausdruck bei. Die Klangsilhouette dieses Geläutes und die markante Silhouette des doppeltürmigen Münsters steigern sich gegenseitig zu einem beeindruckenden Ganzen, das alle unsere Sinne zu erfreuen vermag.

Hans Jürg Gnehm

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