| Ursprünglich waren wohl die beiden Erzengel Michael und Gabriel als Wächter des Münstereingangs an der Fassade zu sehen. Im 13. Jahrhundert wurde Michael durch den Ritter Georg ersetzt und der Engel Gabriel durch den Heiligen Martin. Die beiden Gestalten verkörperten in jener Zeit ritterliche Tugenden, Georg die Tapferkeit, Martin die Barmherzigkeit. Der Heilige Martin wird meist mit einem roten Mantel und auf einem weissen Pferd reitend dargestellt, weil sein Fest zu Winterbeginn gefeiert wird, während Ritter Georg auf einem braunen Pferd reitet, da sein Fest die Saatzeit einleitet. Auch am Münster waren die Figuren einst farbig gefasst. Leider fehlt beim Heiligen Martin am Basler Münster der Bettler, er wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts entfernt. Damals wollte man im reformierten Basel keine Statuen von Heiligen mehr am Münster sehen und hatte die Absicht, alle zu beseitigen. Dank Andreas Ryff, der mit diplomatischem Geschick erreichte, dass nur einige Änderungen an den Statuen vorgenommen wurden, blieben sie uns erhalten. | ![]() Der Heilige Martin von oben. |
Den Heiligen Martin verwandelte man in einen König: Man setzte ihm eine Krone auf den Kopf und entfernte den Bettler. Später konnte man sich mit der Figur des Heiligen Martin aber wieder aussöhnen, im Gedanken an die Bibelworte: «Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan» (Mt. 25, 40). Deshalb entfernte man die Krone wieder, der Bettler hingegen war nirgends mehr vorhanden. Auch in der Stiftskirche St.Lambertus in Düsseldorf findet man einen Heiligen Martin ohne Bettler. Hier wird erklärt, der Bettler würde mit Absicht fehlen, denn der Betrachter solle sich in der Rolle des Bettlers fühlen. Eine Version, die man auch für die Darstellung am Basler Münster übernehmen könnte. Deutlich erkennbar ist hingegen der Baumstrunk, der den abgesägten Baum darstellt, welcher der Legende nach den Heiligen dank seines Glaubens nicht erschlagen hat. Die Geschichte des heiligen Kultbaumes ist übrigens auch an einem Kapitell in Vézelay zu finden (1130 n. Chr.). Die Statue des Heiligen Martin aus dem 13. Jahrhundert befindet sich heute im Museum Kleines Klingental. Die Kopie des Heiligen, welche Ferdinand Schlöth Ende des 19. Jahrhundert anfertigte, wird nun bald vollkommen restauriert die heutige, vom Original zu stark abweichende Kopie ersetzen. Der Heilige Martin als Beispiel für einen Menschen, der Gutes tut und den Armen und Kranken hilft, steht an der Fassade des Basler Münsters zu Recht an einer würdigen Stelle.
Helen Liebendörfer
Quellen:
Legenda aurea, Heidelberg 1979
Das grosse Buch der Heiligen , Zürich 1978
Diether Rudloff in «Das Basler Münster», Basel 1982
Das Kirchenjahr, München 1991
www. martin-von-tours.de
Warum ein Apfel, Eva? Regensburg 2000
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