Die Münsterbauhütte Basel befindet sich heute im St. Albantal 43, etwa 800m vom Münster entfernt. Im Mittelalter, als Transportwege eine grosse Rolle spielten, arbeitete die Bauhütte auf dem kleinen Münsterplatz direkt neben dem Münster.
Die Basler Münsterbauhütte bestand wohl seit dem 12. Jahrhundert. Ihre Hauptaufgabe war damals die Vollendung des Bauwerks, aber auch der Wiederaufbau einzelner Teile (z.B. Gewölbe, Chor und Türme) nach dem Erdbeben von 1356.
Wenige Jahre nach der Reformation (1529) wurden die Arbeiten am Münster eingestellt und die Münsterbauhütte aufgehoben. Etwa alle 50-100 Jahre erfolgte eine Überholung des Bauwerks und der dringend notwendigen Arbeiten zur Instandhaltung.
1986 nahm die Basler Münsterbauhütte nach etwa 450 Jahren Unterbruch ihre Arbeit wieder auf. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, das Basler Münster in seinem heutigen Bestand für die Zukunft zu erhalten.
Warum braucht es eine Münsterbauhütte?
Die Unterhaltsarbeiten, welche seit der Reformation alle 50-100 Jahre durch private Bildhauer und Steinmetze durchgeführt worden waren, konnten im 20. Jahrhundert vor allem durch die rasante Zunahme der Schäden (Luftverschmutzung) nicht mehr bewältigt werden. Es zeigte sich auch, dass Restaurierungsmethoden Erfahrung brauchen. Jeder Steinmetz hatte nach 50 Jahren wieder neu zu beginnen. Niemand war da, der ihm Wissenswertes weitergeben konnte. Auch die Arbeitsqualität und Kontinuität war nicht gewährleistet. Der Austausch an Erfahrungen auch mit den Bauhütten aus ganz Europa hilft mit, dass gute Arbeit geleistet werden kann. Das spart im Endeffekt auch Geld. Das Argument der Wirtschaftlichkeit hat in Basel die Politiker und Kirche am ehesten überzeugt, eine permanente Bauhütte zu unterhalten. |
|
 |
 |
|
Die Arbeit der Münsterbauhütte
In regelmässigen Abständen wird von der Münsterbauhütte der ganze Bau beobachtet, um auf diese Weise Veränderungen festzustellen. Dabei werden Schadenspläne erstellt und Notsicherungen vorgenommen.
Eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe ist die Reinigung der Steinoberfläche, welche entweder mit Wasser oder trocken mit einem Mikrostrahlgerät durchgeführt wird. Der häufigste Schaden am Münster ist das sogenannte Absanden, welches auftritt, wenn der Sandstein sein Bindemittel verloren hat. Die Behebung von Schäden am Stein (z.B. auch Risse oder Abblätterungen) gehört zu den Aufgaben eines Steinmetz. Wenn kostbare Originale stark beschädigt und gefährdet sind, werden diese ins Museum gebracht und für das Münster von einem Steinbildhauer in der Münsterbauhütte Kopien angefertigt.
|
Das oberste Gebot der Bauhütte ist jedoch, Originalsteine nur zu ersetzten, wenn es unvermeidlich ist.
Für die Unterhalts- und Restaurierungsarbeiten werden von der Bauhütte grundsätzlich traditionelle Arbeitsmethoden angewendet, wie zum Beispiel das Schmieden der eigenen Werkzeuge. Für die Rohbearbeitung kommen jedoch auch moderne Hilfsmittel zum Zuge - aus Sicherheitsgründen und um Zeit zu sparen.
Steinmaterial
Die Buntsandsteine, aus welchen das Basler Münster gebaut und die Skulpturen gehauen wurden, stammen aus Steinbrüchen der Region. Es handelt sich um den gröberen, quarzhaltigeren grau-rot leuchtenden Degerfelder Sandstein (in der Nähe von Rheinfelden), sowie den feinkörnigen dunkelroten Wiesentaler Sandstein. Im Wiesental erinnern einige Dorfnamen noch an diese Steinbrüche, wie zum Beispiel die Orte Steinen und Hauingen.
Da diese Brüche heute jedoch erschöpft sind, bezieht die Münsterbauhütte das Steinmaterial sowohl aus eigenen alten Lagerbeständen als auch aus zwei Steinbrüchen: Für Werkstücke (z.B. Masswerk-Brüstungen) werden Sandsteine aus einem kleinen Steinbruch in Lahr, nördlich von Freiburg i.B. verwendet, und für Bildhauerarbeiten (z.B. Figuren) ein Sandstein aus dem Main-Tal.
Münsterbaumeister, Bauverwalter und Handwerker
Im Mittelalter hatte der Münsterbaumeister sowie der Bauverwalter den Bauablauf zu planen und koordinieren. Der Baumeister entwarf als Architekt die Baupläne und der Bauverwalter war sowohl für die Finanzierung als meist auch für die Vertragsabschlüsse mit den Handwerkern zuständig. Zudem organisierte er das Baumaterial. Die Bauhandwerker, die alle zur Münsterbauhütte gehörten, führten die diversen Arbeiten im Taglohn aus.
Heute wird die Münsterbauhütte ebenfalls von einem Münsterbaumeister geleitet. Er ist der Hauptverantwortliche des Bauhüttenbetriebs und vertritt diesen auch in der Öffentlichkeit. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Unterhaltsarbeiten am Münster zu planen, zu überwachen und finanziell zu kontrollieren. Der Münsterbaumeister ist Mitglied der drei für das Münster zuständigen Gremien: Stiftung Basler Münsterbauhütte, Münsterbaukommission und Verein "Freunde der Basler Münsterbauhütte".
Der Hüttenmeister (Steinmetzpolier) leitet in erster Linie den Bauhüttenbetrieb, besorgt das Baumaterial und ist für den Ablauf der verschiedenen Arbeiten am Münster zuständig. Seine fünf Mitarbeiter setzen sich zusammen aus Steinmetzen und aus einem Lehrling sowie einer Diplom-Restauratorin. Sie sind sowohl in der Bauhütte als auch am Münster im Einsatz. Ausserdem werden als freie Mitarbeiter weitere Steinmetze und Steinbildhauer sowie Abgussspezialisten, spezialisierte Restauratoren und ein Bauarbeiter eingesetzt.
Weitere Informationen auf
www. baslermuenster.ch.